12 Mrz

Ans Meer

Ans Meer.

Ich erkenne die Verschwörung.

Die gegen mich gespült wird.

Ich verstecke mich vor dem Wissen.

Doch Fliehen kann ich nicht.

Ich flüchte mich ins Nasse.

Die Wahrheit fischt mich heraus.

Ich drehe mich in Kreisen.

Doch ignorieren kann ich nicht.

Wenn einer eine Stellung verloren hat.

Und die Liebe einer Geliebten.

Und das alles innerhalb von Tagen.

Und er sich dann an einen Strand reist.

In einem kleinen Idyllenort.

Aber die Erkenntnis mich einholt.

Dass sich alle Welt gegen mich dreht.

Und ich mich in den Seetang lege.

Mit dem Mund unter Wasser.

Und mit der Nase über Wasser.

Und ich mich aufreibe anstatt mich aufzulösen.

Und die anderen Menschen mich ignorieren.

Aber nicht in Ruhe lassen.

Dann ist es offensichtlich.

Das gegen mich gespielt wird.

Zwischen den Schuppen kreiselt die Einsicht.

Unterm Schädel gefangen.

Dann bricht sie aus und geht auf Reisen.

An den Strand.

Wo es niemand weiss.

Solange die Kreditkarte gedeckt ist.

Wo es alle wissen.

Weil ich es ja weiss.

Weil T es weiss und die Werkleitung.

Und alle es sich gemeinsam ausgedacht haben.

Untereinander hin- und hergeflüstert.

In Stiller Post, in lauten Geklapper.

Und der Bademeister und die Rettungsschwimmerin.

Und die Seetangfischer.

Die mich da ganz verstrickt in ihrer Ernte liegen sehen.

Die ich da ausgebreitet habe in der Gischt.

Die aus meinen Körperöffnungen sprudelt.

Und das ganze Meer geschaffen hat.

Und der Strandrecher, der meine Schuppenberge in schöne Streifen recht.

Damit ich mein Badetuch darauf ausbreiten kann.

Das ich im Hotel vergessen habe.

Wo das steht habe ich auch vergessen mir zu überlegen.

So dass ich mir gar nicht sicher bin.

Ob es einmal eine T gab und ein Werk 1.

Oder einen X und ein Telefon.

Also denke ich mir eine Bar.

Da kann ich ertränken was nicht ertrinken kann.

In der eigenen Gischt.

Im zugeschriebenen Meer.

Im Sand der Verschwörung.

Gegen die ich machtlos bin, doch

Die mich nicht entmachten kann, doch

Die ich mitgebracht habe, doch

Die ich selbst entfacht habe, doch

Die ich Aufschreiben muss

Und in einer Glasflasche versenden.

Ans Meer:

26 Okt

La poésie d’abord et pour toujours

La poésie d’abord et pour toujours
La poésie nous berce dans le sommeil
La poésie transperce nos cœurs
La poésie nous transporte ailleurs
La poésie fait couler l’eau dans nos paysages imaginaires
La poésie nourrit les têtes en l’air
La poésie rime avec tant pis
La poésie nous aide à digérer les vicissitudes de la vie
La poésie donne du goût à la solitude
Rêveurs dans tout le monde, chantez la multitude !
La poésie me fait penser à ta voix douce
La poésie d’abord et pour toujours !
Vive la poésie !

26 Okt

Individualverkehr

0erjahre
setzte sich einfach
ins Auto
(nach mehrmonatiger Ausbildung)
fuhr nach Berlin
stundenlang
rußend
hunderte Kilometer
ohne führendem Gleis
ohne smartgrid und copilot

Das Fernlicht
bei Gegenverkehr
abblendend
immer nur einen Moment zu spät

0ft über Stunden in
stockender Freiheit
die Risiken
im Rückspiegel eingefangen
unerdenklich

Langsam lehrten sie den Autos
miteinander zu daddeln

23 Jun

The Things One Learns in Life

My parents once told me, soon you will have a little sister.
I said
I don’t believe you, prove it
So they bought a cot, baby-proofed the fridge, the toilet, bought a mobile, toys, diapers.
Came home one day with a noisy bundle that took up far too much space in my life.
And I learnt what it was to make room for another.
And I was skeptical no more. Read More

10 Mai

Mëmëdheu (Andon Zako Çajupi)

Mëmëdheu
Andon Zako Çajupi

Mëmëdhe quhetë toka
ku më ka rënurë koka
ku kam dashur mëm‘e atë
ku më njeh dhe gur‘ i thatë
ku kam pasurë shtëpinë
ku kam njohur perëndinë
stërgjyshët ku kanë qënë
dhe varret q‘i kanë vënë
ku jam rritur me thërrime
ku kam folur gjuhën time
ku kam fis e ku kam farë
ku kam qeshur, ku kam qarë
ku rroj me gas e me shpres
ku kam dëshirë të vdes

 

Mutterland
Übersetzung: Harun Roci

Mutterland heisst die Erde
wo ich zur Welt gekommen bin
wo ich geliebt habe Mutter und Vater
wo mich kennt auch der trockene Stein
wo ich mein Haus hatte
wo ich Gott kannte
wo die Urväter waren
und die Gräber, die sie gruben
wo ich aufgewachsen bin mit Krume
wo ich gesprochen habe meine Sprache
wo ich Geschwister habe und wo auch Wurzel
wo ich lachte, wo ich weinte
wo ich mit Freude und Hoffnung lebe
wo ich mir wünsche zu sterben

 

(gelesen am LitUp! Irrlicht Heimat?)

10 Mai

Coming Home. (Fay Slimm)

Home is within the Self.
All voyage brings us there.
To be aware of welcome
We would have been sharing
Our love. Now departing
From distant shores we find
New ways toward the start
For home. Loth to leave behind
Adventure, yet singing
Of eternity, we find
Balance which joy in Self brings.
Homecoming then feels fine.

– Fay Slimm

 (read at LitUp! Irrlicht Heimat?)

16 Nov

Herbstzeitlose

Herbstzeitlose

 

Pink explosion

Zurückhaltendes Kaminrot

Geheimniskrämerisches Blassrosa

Ungezähmtes Blutrot

Abdankendes Dunkelrot

Naives Kanariengelb

Stumpfes Orangebraun

Du fragst: Bist du passiv-aggressiv?

Ich antworte: Jetzt schon.

Tiefes knalliges Wildrot

Schrumpeliges fahles Altbraun

Kannst du mich hören? Ich kann dich nicht verstehen.

Funktioniert es jetzt? Kannst du mich jetzt hören?

Ich kann dich nur sehen, aber nicht hören.

Lass es uns noch einmal versuchen.

Sabrina Nepozitek