27 Jun

LitUp! Von Brettern und Sprüngen: Ohnantwort und Vermachtung

Sonntag, 21. Mai 2017 im Strauhof Zürich

Gelesene Texte:

Erich Hackl – Auroras Anlass
Hans Zeisel, Marie Jahoda, Paul F. Lazarsfeld – Die Arbeitslosen von Marienthal
Paula Deme – Verliebt, verlobt, verheiratet?
Paula Deme – nannyanny.blog
Samuel Eberenz – DIE LIBERAL-KONSERVATIVEN REFORMER
Vlado Kristl – „Wusstest Du nicht, dass Raum nur für die da ist, die ihren eigenen Raum mitbringen?“
Rauda Jamis – Frida Kahlo: Ein Leben für die Kunst
Kurt Schwitters – Tran Nr. 26: An alle Kritiker
Samuel Eberenz – Vermachtung

Einladung:

Liebe Litupianx

Zum Abschluss einer experimentell-litupigen-partizipativen-wunderbaren Woche im Strauhof, Von brettern und sprüngen,
laden wir nun heute zum Betrachten der Spuren, Immerweiterschreiben, Text-to-go mitnehmen, Lesenlesenlesen und Anstossen von 11-17 uhr,
LitUp „Ohnantwort und Vermachtung“ ab 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen. Kuchen willkommen. Menschen auch.

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11 Aug

Die 7 topischen Jahreszeiten der Neuen Welt

Kollektive Möglichkeitspoesie zwischen Einsilbigkeit und überdieufertretender Prosa –

Am Labor mit Utopieverdacht 2016 von 7 Nasen gemeinsam verfasst, die 7 topischen Jahren und, exklusiv und u-topisch, das schwarze Stück Kuchen, in Form assoziativer Fi Bo Na Chi:

Die Autorschaft freut sich auf Bewertungen der Gedichte nach den 11 postmondänen Wertungen „witzig“ und „nicht witzig“ und „cultural appropriation“.

Ein Template zum Ausdrucken, um selbst Fi Bo Na Chis zu schreiben (von 1 bis 233) findet sich hier. Ein Strich stellvertritt hierin je eine Silbe.

 

NeueWelt_7topischeJahreszeiten

03 Apr

Emmy by the train station

Kuhai kuhai kuhai queue
Two to high t(w)o fail
Minus one retains no clue

.

With all these kuhai in mind
totally forgot
Emmy by the train station

.

Emmy Hennings Hugo Ball
Emmy Hennings Ball
Roman Catholic morphine

.

Em
My hen
nings Hugo
ball Emmy Hennings
ball Roman Catholic morphine

26 Mrz

Kuhai & Fi Bo Na Chi

 

Neue japanoeuropäische Traditionsgedichte des Unverständnisses

 

Die Ausgangslage

Künste und Künstlerinnen aus Japan und Europa stehen im ständigen Austausch von Faszination, Inspiration, Nachahmung und Missverständnis. Kuhai und Fi Bo Na Chi, die jüngsten Spielarten japanoeuropäischer Poesie gehen auf das Haiku zurück. Viele EuropäerInnen müssen mindestens einmal in ihrem langen Leben ein Haiku verfassen: in der Primarschule. Dieses Schulhaiku hinterlässt nicht nur intensive Gefühle von Faszination und Verwirrung, auch prägt es, meist Minuten nach dem Schreiben schon wieder vergessen, doch schicksalhaft das gesamte weitere Leben der Kinder, insbesondere ihre kreative und charakterliche Entwicklung. Die traditionelle Form des Haiku wird durch die Anzahl von sogenannten Moren, quantisierenden Einheiten, bestimmt (5-7-5). In den westlichen Kontext werden diese Moren meist als Silben übertragen. Beim europäischen Primarschulhaiku steht also in erster Linie das Silbenzählen im Vordergrund. Das ungeheure schöpferische Potential, dass sich hinter der Silbenzählerei verbirgt, kann sich jedoch durch die grossen kulturellen Unterschiede im Haiku nicht voll entfalten. Die neotraditionellen Gedichtformen Kuhai und Fi Bo Na Chi schaffen dem durch geniale mathematische Raffinesse und gnadenlose westliche Hegemonie Abhilfe. Die Resultate sind schillernde Blütenfelder japanoeuropäischer Literatur.

Das Kuhai

Das Kuhai stellt eine Permutation des Haikus dar. Die vertauschten Silbenzahlen pro Zeile (7-5-7) substituieren das für WestlerInnen völlig unzugängliche und dickbäuchig zentrierte Konzept von Kiru, Kireji und Kiru durch ein klar strukturiertes Sandwich, wobei die beiden Toastscheiben (7) eine kleinere aber unverzichtbare Bullette (5) umschliessen. Die bekannteste neotraditionelle Form ist das Kuhai juridique:


Den Tatbestand aufzeigen
Unfair urteilen
Selbstvergessen abschweifen

 

Die kulturelle Basis von Kuhai und Fi Bo Na Chi wird im folgenden englischsprachigen Kuhai juridique mit dem Titel Why Kuhai angedeutet:

Tom Cruise: The Last Samurai
Wonderful story!
A great reason for sushi

Kuhai-Herden

Die grundlegende ästhetische Qualität des Haiku ist es, unabhängig vom Kontext selbstgenügsam zu sein. So wird ein gutes Haiku als eigenständiges, komplettes Werk wahrgenommen. Das Herdengedicht Kuhai hingegen zeichnet sich durch vollständige Kontextabhängigkeit aus. Ein Beispiel ist die »Why-Herde«, eine Reihung von Kuhai juridique, bei denen das Abschweifen (letzte Zeile) als Ausgangspunkt für den Tatbestand (erste Zeile) des vorherigen Kuhai dient:

Tom Cruise: The Last Samurai
Wonderful story!
A great reason for sushi

Fischsterben im Ozean
Aber mein Sushi?
Heute ist mein freier Tag

Wirtschaft wächst nich mehr wie früh’r
Faules, faules Pack!
Marathon am See entlang

Kaffee am See zu teuer
Dabei gibt’s so viel!
Vielleicht wär’s Zeit für Hammam

Im Hammam liegt so viel Haut
Schrubbsüchtiges Pack!
Ich möchte mich gern prügeln

 

Das Fi Bo Na Chi

Im Fi Bo Na Chi folgt die Silbenzahl pro Zeile der Fibonacci-Folge. Dies ist eine unendliche Folge von natürlichen Zahlen, die mit 0, 1 und 2 beginnt. Im Anschluss ergibt jeweils die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen die unmittelbar danach folgende Zahl: 0-1-2-3-5-8-13-21-34-55-89-144… Die Fibonacci-Folge ist mit vielen ästhetischen Habitatansprüchen überfrachtet, beim Fi Bo Na Chi geht es vor allem um die Suche nach dem Nirvana (ein goldener Schnitt irgendwo zwischen Japan und Pisa), den schleichenden Übergang einsilbiger Poesie zu überbordender Prosa und somit letztlich die Suche nach der letztgültigen Erzählung. Unter den MeisterInnen des Fi Bo Na Chi herrscht ein immerwährender Wettstreit, wer das längste Fi Bo Na Chi verfassen kann, ohne sich einmal zu verzählen. Der derzeitige Rekord liegt bei der maximalen Zahl von 144 Silben pro Zeile. Das sollte doch zu schlagen sein!

 

Einsendungen von Kuhais und Fi Bo Na Chi sind immer willkommen. Für den ersten historischen Sammelband! Einfach per Mail an welcome [ät] litup [punkt] ch

Relation: Turning a Kuhai into a Fi Bo Na Chi

Kuhai:

Im Hammam liegt so viel Haut
Schrubbsüchtiges Pack!
Ich möchte mich gern prügeln

Fi Bo Na Chi:

Im
Hammam
liegt so viel
Haut schrubbsüchtiges
Pack! Ich möchte mich gern prügeln

 

Mehr Fi Bo Na Chi und eine Druckvorlage für Faule zum selberschreiben ohne Silbenzählen gibt es hier:

http://litup.ch/site/?p=977

 

 

Ei
an
Erde
Sprich mein Ei!
Wo ist der Anfang?
Wo ist das Ende der Welt im
Untergrund am Hadesstrand im Sibylle Dunst der Aether floss
Auf hohem Floß die Spiegelpfannen, drauf Protein und achterdecks die Abfälle raus
Der Anfang ist mir verloren gegangen! Sprach das Ei, und sprach damit allen aus dem Herzen, die
schon immer wussten, was Sache sein soll.
Sprich mein Ei! Wiederholte die Erde. Das Ei holte aus: Völlig losgelöst von der Erde begann ich
meine Reise. Jetzt komme ich wieder in den Bann ihrer Materie. Es droht mein Absturz und
Zerfallen.
Verstehst du meine Pein nicht? Wie sollen die Rothenfelser je wieder Abendbrot essen ohne mich?
Ohne weissglitschigem Ball mit saftig gelbem Kern? Hallo? Erde? Ei an E! Ei an R! Ei an D! Ei an
E! Ich glabue ich habe die Verbindung verloren jetzt! Es gibt nichts Einsameres als die gekappte
Verbindung mit Mutter Erde.
Dann ging es schnell, das letzte Ei ward zerschlagen. Das Eigelb quilte an ihm heraus bis die letzten
Eistücke zerfielen und sich in Stab auflösten der nicht in Mutter Erde aufgenommen wurde sondern
im Magen seines Verspeisers. Erst wenn der Verspeiser stirbt wird der Staub die Reste des einst
sprechenden Eies mit seinem Verspeiser unter der Erde liegen und auf ewig Schweigen und die
Fresse halten. Dann ist Schluss mit Sprache und Diskurs zwischen Verbundenen dann kehrt Ruhe
ein und EiEsser und Erde sind endlich vereint und schweigen auf ewig
18 Mrz

Minimal Course Poetry I

Pineapple is my favourite tropical fruit

producer
promise
promotion
reputation
rectangular
seldom
simple
skyscraper
slice (of bread, meat)
to starve (to death)
tasteless

31 Jan

A Translational Poetic Practice

A Translational Poetic Practice
– An essay on the uncreative potential of statistical computer translation.

„At first glance, the resulting phrases seem to exhibit rather random changes in syntax and meaning as compared to the original. But is it really by chance that imagine shifts through think to believe?“

 

Let’s imagine, we chase these words through random languages from all populated continents:
We think that we follow the words of the language of random people throughout the country;
We believe that random people throughout the country following language words.
We, language, people across the country continue to believe that.
We, the language, who continue to believe in the country.
We still believe in this country.

 

22 Dez

Wintersonnenwende

Wir haben uns Geheimnisse erzählt
Und den Kleinmut mit Flugkerzen in den Nebel gesandt
Sind den Berg runter gerannt
Die Haare voll Rauch und die Jacken voll Harz
Neben dem leerstehenden Wohnhaus am Stadtrand
Stand auf dem Maklerschild ‚Zweifel – Willkommen zuhause!‘
Wir nur lachend vorbei zum Container
Haben uns mit Brot, Donuts, Croissants und Berlinern bepackt
Und Ciao und Bett, geschafft, die längste Nacht